Rührei ~ Scrambled Eggs

Heute widmen wir uns mal wieder der ganz hohen Küche, wir bereiten Rührei zu! Wahrscheinlich werdet Ihr mir jetzt nen Vogel zeigen und Euch fragen, ob ich Euch demnächst auch noch zeige wie man Reis kocht (und in der Tat, das habe ich sogar irgendwann mal vor :o) ), aber ein wirklich gutes Rührei zu zubereiten ist gar nicht so ohne. 
In den meisten Fällen ist Rührei in Deutschland eher eine trockene und stückige Masse, die aussieht wie ein gummiartiger, fester Kaiserschmarrn und mit dem, was man daraus machen kann, ungefähr soviel zu tun hat wie Pressfleisch mit nem richtig guten Steak, denn ein richtig gutes Rührei ist eine absolute Delikatesse!
Es gilt also auch hier:

Kaum macht man's richtig, schon geht's! 

Rührei ~ Scrambled Eggs
Die Grundvoraussetzung für ein leckeres Rührei ist natürlich das Ei selbst. Das sollte selbstverständlich nicht aus Käfig- oder Bodenhaltung, sondern aus Freilandhaltung stammen. Wir haben hier in Hamburg das große Glück, Eier vom Bauckhof zu bekommen, also Demetereier, für deren "Produktion" nicht nur Biofutter gefüttert wird und die Hühner mehr, bzw. überhaupt Auslauf bekommen und Tageslicht sehen, sondern auf dem Bauckhof wurde die Bruderhahn Initiative gegründet, die Ihr vielleicht schon kennt, wenn Ihr dem Link in meiner Sidebar gefolgt seid. 
Damit Ihr im Groben wisst, worum es bei diesem großartigen Projekt geht, hier eine kurze Zusammenfassung:

Für die Zucht von Legehennen werden jedes Jahr Millionen männlicher Küken, die aufgrund der Rasseeigenschaften nicht für die Fleischproduktion geeignet sind, getötet. Zuerst werden sie aussortiert und werden dann vergast oder bei lebendigem Leib geschreddert. Ja, Ihr habt richtig gelesen. 
Die Bruderhahn Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen fürchterlichen Missstand zu beheben. Die männlichen Tiere werden nicht als Eintagsküken getötet, sondern unter Demeter-Bedingungen aufgezogen und im schlachtreifen Alter geschlachtet. Mein Schlachter verkauft diese Hähnchen unter anderem als Suppenhühner und ansonsten wird das Fleisch beispielsweise zu Babynahrung verarbeitet. 
Die Eier sind dadurch natürlich etwas teurer als reguläre Demeter-Eier, aber diesen Preis sollte uns ein Ei auch Wert sein.
Auf lange Sicht strebt die Bruderhahn Initiative die Nutzung von sog. Zweinutzungshühnern an, die sich also sowohl zur Mast, als auch der Eierproduktion eignen.  

Vorbereitungen für Scrambled EggsWenn Ihr die richtigen Eier parat habt, solltet Ihr unbedingt darauf achten, die Temperatur der Herdplatte nicht zu hochzudrehen, sonst habt Ihr ruckzuck den schon oben beschriebenen Gummischmarrn. 
Damit Ihr ein Gefühl für das "perfekte Rührei" bekommt, denn das ist in einem Zubereitungstext ja nur schwer zu erklären, schaut Euch unbedingt auch noch das Video von Jamie Oliver an, dort werden insgesamt drei verschiedene Versionen von Scrambled Eggs gezeigt, die britische, die französische und die amerikanische Art.
Ich mag am liebsten die britische, allerdings gehe ich nicht 100%ig mit Jamie Oliver konform und gebe noch einen ganz kleinen Klecks Sahne zum Ei, dann wird es einfach noch ein wenig cremiger. 

Wenn Ihr die Eier so zubereitet und sie auf einer Scheibe getoastetem Kartoffelbrot serviert, wird aus einem auf den ersten Blick banalen Essen wie einem Rührei in Nullkommanix eine absolute Delikatesse!

Rührei ~ Scrambled Eggs in der Pfanne

Zutaten 
2 Eier (pro Person)
Butter 
eine Prise Salz 
2 EL Sahne 

Außerdem 
Murray River Salt 
Tellicherry Pfeffer
Schnittlauch

Zubereitung
Die Eier mit einer Prise Salz in einer Schüssel grob verkleppern und einige Minuten stehen lassen, die Farbe der Eier intensiviert sich dadurch. 
Eine Casserolle oder eine kleine Pfanne mit weicher Butter ausstreichen und die verklepperten Eier dazugeben. Mit einem Silikonspatel oder einem Holzlöffel rühren und die auf dem Boden stockende Eiermasse so immer in Bewegung halten. 
Wenn die Eier deutlich angezogen sind und eine Konsistenz wie auf dem Bild oben haben, eine kleinen Klecks Sahne dazugeben und nochmals verrühren. 
Auf einer getoasteten Scheibe Brot anrichten und mit einem richtig guten und natürlich frisch gemahlenen Pfeffer und Fleur de Sel oder noch besser, Murray River Salt und Schnittlauchröllchen bestreut servieren.

Kommentare:

Frl. Moonstruck hat gesagt…

Schön, dass dir das Jamie Oliver-Video gefallen hat. Ich mach die Eier ein bisschen anders, bisher kam aber immer tolles Rührei raus. Daher werde ich deine Variante auf jeden Fall auch mal ausprobieren, vielleicht wird's dann ja wirklich oberklasse. :) Danke und liebe Grüße,
Ramona

Simone hat gesagt…

Meine schottische B&B-Wirtin diesen Sommer hat das als tägliche Frühstücksportion sehr ähnlich gemacht. Das ganze aber pro Person von 3 Eiern und bei zweien davon nur das Eigelb. Dafür hat sie mehr Sahne hinzugegeben.
Das war zwar irre lecker (gabe es wahlweise auch mit heißgeräuchtertem Lacht, das hat das ganze noch perfektioniert), aber es war eine Cholesterin-Bombe ohnegleichen.

LG,
Simone

Tonkabohne Sabine hat gesagt…

Liebe Steph,
Ein toller Post :-)
Besonders Deinen Bericht über den Demeter Hof finde ich sehr informativ.
Dann werde ich ab Morgen die Pfanne mal einbuttern.
Herzliche Grüsse,
Sabine

Johanna hat gesagt…

Liebe Steph,
der Teufel steckt wie immer im Detail. Dass sich die Farbe der Eier nach etwas Ruhen intensiviert wusste ich gar nicht. Das Foto ist wie immer klasse, ich kann die Eier förmlich schmecken. Na bald habe ich ja wieder eine Küche, muss ich mich halt noch ein paar Tage gedulden.

Ganz liebe Grüße,
Johanna

Sina's Welt Lifestyle-Blog hat gesagt…

Kleine Tricks und Kniffe bereichern doch immer wieder das Leben - werde ich auch ausprobieren! Danke! :

Liebe Grüße, Sina

Thuy hat gesagt…

Meine Lieblingsversion ist ja eine Mischung aus französisch und britisch - relativ fein, aber nicht "nur" pur cremig wie das französische Rührei, aber deutlich feiner als das britische :) Ich könnte in dem Zeug baden! Es gibt doch nichts schöneres als ein gutes Rührei auf einem knusprigen Brot... zum Abendbrot :P

Mara hat gesagt…

Hach Steph.. es sieht wie immer köstlich aus! Wir haben auch das Glück Eier direkt von einem Bauernhof zu bekommen. Glücklicherweise liegen davon auch noch welche im Kühlschrank. Bei deinen Bildern kriegt man ja Heißhunger darauf ;)

Liebste Grüße
Mara

Pia hat gesagt…

Mein lieber Schwan,wenn ich mir hier so die Zutaten für die verschiedenen Gerichte ansehe,dann ist so ziemlich jedes Essen ein teurer Spaß.

"Murray Pfeffer" usw.


MfG Pia

martina hat gesagt…

Unglaublich,

dass Bücher und Videos (von einem Engländer!!!) benötigt werden, um Rührei zu kochen/braten.
Dazu noch Murray River Salt und Tellicherry Pfeffer.

Steph hat gesagt…

Pia, Tellicherrypfeffer und Murray River Salt durch ein anderes Salz und einen anderen Pfeffer zu ersetzen, dürfte sicher das kleinste Problem sein, oder?
Meine Rezepte sind keine rigiden Anleitungen, die strikt befolgt werden müssen, sondern Anregungen, die zum Abwandeln animieren sollen.
Die im Rezept angegebenen Gewürze sind also die Produkte meiner Wahl, wenn jemand anderes diese Produkte nicht verwenden möchte, dann nimmt er/sie halt ein anderes - ich sehe da jetzt kein so wahnsinig großes Problem.

martina, es ist schon sehr bezeichnend, dass Deiner Meinung nach die Nationalität eines Kochs eine Rolle spielt - schade eigentlich... Ansonsten, s. o.

 

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