Spanisches Paprikahuhn, oder was was kümmert mich mein Geschwätz von gestern

Erinnert Ihr Euch noch daran, dass ich im April vom absolut leckersten, saftigsten, knusprigsten und aromatischsten Brathühnchen aller Zeiten berichtet hab? Vergesst das alles, oder zumindest die Stelle, an der ich das Zitronenhuhn zum leckersten Brathuhn überhaupt erklärt habe, denn gestern hat sich mal wieder bewahrheitet - es geht immer noch besser!

Paprikahuhn gehört schon seit einigen Jahren zu meinen absoluten Lieblingsessen, bisher aber in einer Version von, nu muss ich lügen, ich glaube Vincent Klink oder Otto Koch - auf jeden Fall einem von Beiden. 
In diesem Rezept wurden Hühnerschenkel und kein ganzes Huhn verwendet und ich hatte damals auch noch keine Ahnung, was für tolle verschiedene Paprikapulver es gibt, denn zum altbewährten Paprikahuhn kam grundsätzlich nur Paprika edelsüß und/oder rosenscharf. 
Dieses Mal wollte der Mitesser keine Hühnerschenkel, sondern ein ganzes Huhn - das Resultat ist dieses unglaublich grandiose Brathuhn, bei dem wirklich alles stimmt, die Würzung, die knusprige Haut, das leckere Sößchen, die Beilagen - doll, einfach nur doll!

Bevor Ihr Euch jetzt ans Werk macht, den Einkaufszettel schreibt und es demnächst vielleicht auch bei Euch ein Paprikahuhn geben wird, muss ich noch ein paar Worte zum Huhn, also dem Ausgangsprodukt loswerden - auch auf die Gefahr hin, dass ich Euch damit mächtig auf die Nerven gehe ;o)
Natürlich ist eine Grundvoraussetzung für ein leckeres Essen, in diesem Fall einem richtig tollen Brathuhn, ein anständiges Rezept, eine weitere, nicht minder wichtige Voraussetzung ist aber die Qualität der Zutaten und das ist in diesem Fall zu allererst mal das Huhn. 
Wie Ihr vielleicht wisst, kaufen wir Fleisch ausschließlich beim Demeter-Schlachter unseres Vertrauens -  hauptsächlich, weil wir die wirklich grauenhafte und in unseren Augen absolut nicht vertretbare Massentierhaltung nicht unterstützen wollen, ein nicht zu verachtender Nebeneffekt ist aber, dass das Fleisch von ausgezeichneter Qualität ist. Natürlich kann auch Fleisch, das nicht bio-zertifiziert ist von guter Qualität sein, das ist in unserem Fall einfach ne Sache der Einstellung, was aber nicht, in wirklich absolut keinem Fall gut schmecken kann, ist ein Huhn für 2,50 €, das sein komplettes, jämmerliches Leben eingepfercht in winzigen Gitterkäfigen zugebracht hat und erstmalig an die frische Luft kommt und die Sonne sieht, wenn es in Plastik eingeschweißt, im Einkaufswagen  zum Auto geschoben wird. Geht nicht.
Gutes Fleisch kostet Geld, das sollte sich eigentlich jeder denken können. Bei uns gibt es daher selten Fleisch, aber wenn, dann ein "anständiges" Stück. Ich will hier nicht als Missionarin auftreten und Euch alle dazu bringen nur noch Bio-Fleisch zu kaufen - obwohl, verkehrt wäre das sicher nicht ;O) - aber vielleicht überlegt Ihr Euch beim nächsten Mal (vorausgesetzt, das macht Ihr nicht sowieso schon), das Huhn, den Braten oder die Wurst beim Schlachter um die Ecke und nicht im Discounter zu kaufen. Ihr werdet es sicher nicht bereuen und den Rest der Woche gibt's dann halt leckere und in den meisten Fällen sogar richtig günstige vegetarische Gerichte.

Zutaten 
500 g kleine, mehlig kochende Kartoffeln
ca. 1 kg Spitzpaprika, gelb und rot
3 rote Zwiebeln
Olivenöl 
Salz und Pfeffer
1 Bio-Hähnchen 
500 ml selbstgemachte! Hühnerbrühe
50 g weiche Butter 
1 TL Paprikapulver, edelsüß
2 TL Pimentón de la Vera, picante (scharf)
1 TL Pimentón de la Vera, dulce (mild)
Salz

Crème fraîche, Schmand oder griechischer Joghurt und frisch gehackte Petersilie zum Servieren 

Zubereitung
Die Kartoffeln schrubben und je nach Größe halbieren oder vierteln. Ca. 10 Minuten als Salzkartoffeln kochen, dann abgießen und ausdampfen lassen. 
In der Zwischenzeit die Paprikaschoten putzen und in grobe Stücke schneiden, die roten Zwiebeln in feine Streifen schneiden.
Das Gemüse in eine feuerfeste Form geben, mit Salz und Pfeffer würzen und mit etwas Olivenöl beträufeln. 
Die weiche Butter mit dem Paprikapulver und Salz verkneten und das Hühnchen großzügig damit außen und innen einreiben. Auf das Gemüse legen und den Hühnerfond angießen. 
Im auf 180°C vorgeheizten Backofen je nach Größe des Huhns ca. 60 Minuten backen, in den letzten Minuten den Grill zuschalten, damit die Haut schön knusprig wird. 
Das Hähnchen portionieren und mit dem Gemüse, dem Bratensud und einem Klecks Joghurt (alternativ Crème fraîche oder Schmand) und frisch gehackter Petersilie servieren.
Nachtrag
Da dieses Rezept ja eigentlich nichts mehr mit meinem ursprünglichen zu tun hat und weil die Zutaten eh nicht aus Ungarn kommen (da hat Winterspross eigentlich völlig Recht), wurde aus dem Ungarischen Paprikahuhn auf geheimnisvolle Weise ein spanisches - so schnell kann das gehen ;o)

Kommentare:

winterspross hat gesagt…

Meine Rede. Fleisch schmeckt auch viel besser, wenn man es nicht jeden Tag isst, finde ich :) Und seit ich brav vegetarisch unter der Woche lebe, gibt es auch immer Geld im Einkaufsgeldbörserl - ein netter Nebeneffekt.

Ich kannte bis jetzt auch nur rosenscharf und edelsüß (oder war es umgekehrt?) Aber darf in ein ungarisches Paprikahuhn wirklich Paprikapulver aus Spanien? ;)

Liebe Grüße
Nadja

Steph hat gesagt…

Nu wolln wir mal nich päpstlicher sein als der Papst, nech? ;o)
Natürlich kann man auch ungarisches, geräuchertes Paprikapulver verwenden, da kommt's halt nur darauf an, was man vorrätig hat.

Raphi hat gesagt…

Ich hab ganze Hühnchen nicht so gerne wegen den Knochen. Geht das Rezept auch mit normalen Hühnchenbrüstchen?

Steph hat gesagt…

@ Raphi
Ganz ehrlich? Nein, geht nicht oder zumindest nicht annähernd so lecker. Hühnerbrüste sind der trockenste und geschmacksärmste Teil des Huhns, die können gar nicht so lecker schmecken wir ein ganzes Huhn, denn auch hieran sind die Schenkel das beste...
Probier einfach mal ein ganzes Huhn, so wird's ja schließlich auch geboren und mit ein bisschen Übung stören die Knochen nicht mehr im Geringsten.

zorra hat gesagt…

Für mich bleibt das Zitronenhuhn das Beste, obwohl ich auch schon ein ähnliches Paprikapoulet mit Geschmack nach Spanien gemacht habe. War auch gut, aber Zitrone beleibt man Favorit. Die Geschmäcker sind halt verschieden. ;-)

petra hat gesagt…

Ich bin ja auch absoluter Zitronenhuhnfan. Aber Dein Paprikahuhn könnte zur Konkurentin werden.

Julia hat gesagt…

Ach, ist doch irgendwie ganz nett, dass jetzt wieder die Zeit anfängt, in der man den Backofen anschalten kann, ohne dass der Schweiß ausbricht. Das Huhn sieht echt sehr appetitlich aus!

tobias kocht! hat gesagt…

Bei mir gelingen Huhn Fotos nie so gut. Gratuliere!

tobias kocht! hat gesagt…

Bei mir gelingen Huhn Fotos nie so gut. Gratuliere!

Angus hat gesagt…

Nachdem ich vor kurzem eine spanische Hühnersuppe gegessen habe, werde ich mir wohl auch diese Hühnervariante zubereiten lassen. Jetzt ist meine Frage nur, welchen Ofen man dafür braucht, mein Freund hat sich hier kleineren E-Herd gekauft. Eigentlich für seine Pizzen, aber ich werde sie wohl heimlich mit guten Gerichten von innen infiltrieren.

Da geht doch auch so ein Huhn rein oder?

Isabell von kuechenplausch.de hat gesagt…

Also erstmal, ich bin auf jeden Fall der Paprika Huhn Tip und nicht der Zitronen Huhn Tip, deswegen freu ich mich über dieses Rezept.
Auf der andere Seite unterstütz ich dich voll und ganz dabei das es sich absolut lohnt Bio Hühnchen zu kaufen, bei mir kommt nichts mehr anderes auf den Tisch. Das Fleisch ist viel besser und ich weiß das ich kein armes Huhn essen muss, dass sein gnazes Leben unter schlimmen Bedingungen gelebt hat und mit Medikamenten zugestopft wurde. Deswegen auf jeden Fall ein BIO Paprika Huhn.

Liebe Grüße
Isabell

Dani hat gesagt…

Absolut! Qualität, statt Quantität. Wenn ich in Plastik eingeschweißte Wurst und Fleisch sehe, auf denen auch noch stolz das Schild "billig!" oder "Discountpreis" dransteht, wird mir übel...

Charlotte hat gesagt…

Ich kann mich dir nur anschließen: Lieber 1x pro Woche (oder alle zwei Wochen, 1x pro Monat, ...) ein gutes Stück Bio-Fleisch, als täglich irgendwelches billiges. Aber ich kenne es gar nicht anders, ich habe schon als Kind nicht öfter Fleisch gegessen.

Das Paprikahuhn würde ich dir schrecklich gern nachmachen. Aber ein ganzes für nur 2 Personen ist ja schon ein wenig viel. Wenn du jetzt aber noch einen Tipp zur Resteverwertung hast, bestelle ich morgen gleich eins... ;-)

IPH hat gesagt…

Oh, das kenn ich und kann nur jedem Raten das nach zu Kochen.

Melanie hat gesagt…

Wo hast Du denn das Paprika gekauft? Ich hatte Madavanilla probiert, bin mit deren Gewürzen aber nicht so zufrieden :(

Steph hat gesagt…

@ Melanie
Ich kauf die meisten Gewürze hier in Hamburg bei verschiedenen Gewürzhändlern oder auch beim Bremer Gewürzhandel.
Die Geschäfte und Stände, die ne Homepage und nen Onlineshop haben, hab ich oben in meinem Einkaufsbummel verlinkt.

Britta hat gesagt…

Das muss ich demnächst auch ausprobieren, ich hab grad frisches Pimenton vom Gewürzamt bekommen und das sieht superlecker aus :-)
Auch was das Biohuhn angeht denke ich da ganz genau so.
Lieber ein paar Tage kein Fleisch, aber dann eben gutes, da werde ich auch gerne mal streitsüchtig.

wir finden ein ganzes Huhn für 2 Personen und einen verfressenen Kater eigentlich immer seehr passend bzw. es reicht grade so!

Melanie hat gesagt…

Da hatte ich ja nachgeschaut und deshalb Madavanilla gewählt :(

Das Rezept klingt großartig, ich hoffe ich treib irgendwo Dein super-Paprikapulver auf. Ich kenne nämlich auch nur das "normale"

Steph hat gesagt…

@ Britta
Hach, das is ja wie bei uns zuhause, nur dass bei uns, wenn's ganz schlecht läuft, gleich 3 kleine Hühnerdiebe neben den Tellern sitzen und nur darauf warten, dass wir mal ne Sekunde nicht aufpassen ;o)

@ Melanie
Schau Dir mal das alte Gewürzamt, den Bremer Gewürzhandel, Violas und Philips Aromagarten an- dort bekommst Du ganz ausgezeichnete Gewürze.

Cati Basmati hat gesagt…

Oh, der geek wird entzückt sein! Er LIEBT Hühnchen und ich probier gerne was neues aus. Perfekt also!

Anonym hat gesagt…

Hallo,

mein erster Kommentar in diesem Blog. Erstmal vielen Dank für all die tollen Rezepte, schönen Bilder und ansprechenden Texte (vom Layout mal ganz zu schweigen). Ich habe es jetzt doch tatsächlich geschafft mich ganz durchzulesen!

Dieses Rezept habe ich als erstes nachgekocht und es hat uns und unseren Gästen sehr gut geschmeckt. Allerdings habe ich "normales" Paprikapulver genommen und wir hatten dann etwas Schwierigkeiten die Buttermischung an die Hühnerhaut zu bringen.

Ich werde sicher weitere Rezepte aus Deinem Laden ausprobieren.

Liebe Grüße

Line

Steph hat gesagt…

@ Line
Holla die Waldfee, dann weißt Du jetzt wahrscheinlich besser in meinem Laden Bescheid als ich ;o)

Freut mich sehr, dass Euch das Rezept geschmeckt hat!

Anonym hat gesagt…

Lecker, lecker!
Hab das am Wochenende für Freunde gekocht, es ist aber ziemlich viel Flüssigkeit (Öl, Hühnerbrühe, Paprikabrühe - Mischung) übrig geblieben, das konnte nicht alles mit den Kartoffeln oder Baguette aufgetunkt werden. Hast du eine Idee, was ich damit anstellen könnte?

Danke fürs Rezept!
Liebe Grüße,
Dani

 

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