Sacher - Das Kochbuch [Rezension]

Die österreichische Küche ist für mich als Fischkopp in etwa so exotisch wie die nordafrikanische oder asiatische - genauer gesagt sind mir diese beiden Richtungen sogar noch sehr viel vertrauter, meine Gehversuche in der österreichischen Küche kann man wahrscheinlich an einer Hand abzählen. 
Die Neuauflage des Sacher Kochbuchs* habe ich jetzt aber zum Anlass genommen, mal ein wenig in die österreichische, bzw. Wiener Küche hineinzuschnuppern. 

Sacher - Das Kochbuch
Inhalt & Gestaltung
Ich war noch nie im Sacher selbst, mir fehlt also der direkte Vergleich. Ich kann mir aber vorstellen, bzw. vermute, dass das Sacher Kochbuch nicht nur kulinarisch, sondern auch was die Gestaltung des Buches betrifft, das Hotel/Restaurant sehr gut präsentiert.
Das Sacher Kochbuch ist sehr klar gegliedert, die Gesamtgestaltung wirkt insgesamt etwas gediegen, sehr klassisch und konservativ - so, wie ich mir auch das Sacher selbst vorstelle. 
Der Funke, der mich an dieser Stelle oft so begeistert schwärmen lässt, wollte diesmal nicht so recht überspringen, das liegt aber sicher auch an der Rezeptauswahl selbst. Ich koche halt doch überwiegend auf einem anderen Niveau, probiere zwar sehr gerne auch anspruchsvollere Rezepturen aus, überlasse die übersichtlichen Häppchenteller aber dann doch gerne anderen und habe generell einen jüngeren und moderneren Kochstil. 

Wie man es von einem so geschichts- und traditionsträchtigen Haus wie dem Sacher erwartet, ist dieses Kochbuch natürlich keine reine Rezeptsammlung, sondern beginnt mit einem ausführlichen und schön bebilderten Ausflug in die Geschichte des Hotels Sacher, bei dem natürlich auch die Erwähnung der berühmten Sachertorte nicht fehlen darf. 
Der Rezeptteil beginnt mit dem Frühstück, zu dem in Wien auch ein das traditionelle Fiakergulasch gehört. Für norddeutsche Gaumen auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich, da ich aber auch schon morgens um 5 beherzt ins Fischbrötchen beißen kann (sofern ich denn schon wach wäre, was einigermaßen unwahrscheinlich ist ;o) ), durchaus nachvollziehbar. 
Für mich besonders interessant, sind die vielen Grundrezepte, Beilagen und Zwischengerichte. Diese Rezepte machen das Sacher Kochbuch zu einem sehr guten Grundlagen-Kochbuch. Es werden nicht nur alle notwendigen Fonds behandelt, sondern auch warme und kalte Saucen, Dressings, verschiedene Teigarten von Blätterteig bis Pizzateig, Gewürzmischungen, Pesti, Chutneys, usw. usf. 
Ähnlich vielfältig ist das Beilagenkapitel, mit einer großen Auswahl an Salaten, Kartoffelgerichten, Knödeln, Nudeln und sogar Risotti. 

Spätestens bei den italienischen Gerichten habe ich beim erstmaligen Durchblättern etwas gestutzt, weil sie natürlich nicht zur traditionellen Wiener Küche passen. Das Sacher Kochbuch präsentiert aber eben nicht ausschließlich die klassische Wiener Küche, sondern spiegelt die Küche des Sachers wider und die beinhaltet natürlich auch andere, in dem Fall italienische Gerichte. 
  
Das Sacherkochbuch
Rezepte
Neben den zu erwartenden Klassikern der Wiener und österreichischen Küche, präsentiert Küchenchef Werner Pichlmaier auch eine Vielzahl moderner Neuinterpretationen der österreichischen Küche. Die Rezepte dieses Kapitels sind überwiegend ganzseitig bebildert, die Grund- und Beilagenrezepte der voran- gegangenen Kapitel hingegen vergleichsweise spärlich.
MakingOf-Bilder sind keine enthalten, sondern es sind ausschließlich die fertig angerichteten Teller abgebildet. 
Die Rezepttexte sind sehr ausführlich, sorgfältig und gut nachvollziehbar formuliert. Am Ende des Buches ist ein Glossar angehängt, das auch oder gerade für Nichtösterreicher die wichtigsten Begriffe erklärt. 

Bereits nachgekocht
Sacher - Das Kochbuch
Fazit
Wer ein österreichisches Kochbuch sucht, das neben den altbekannten Klassikern auch eine große Auswahl moderner und dem Anspruch des Hauses Sacher entsprechend, durchaus ambitionierter Neuinterpretationen enthält, der tut auf jeden Fall gut daran, sich das Sacher Kochbuch näher anzuschauen. Mich selbst interessieren auch hier eher die Grund- und Beilagenrezepte, sowie die Klassiker der Wiener, bzw. österreichischen Küche, aber auch in diesem Bereich hat dieses Buch eine Menge zu bieten. 

Ich würde es persönlich sicher nicht zu meinen Lieblingen zählen, werde es in Zukunft aber trotzdem öfter zur Hand nehmen, wenn ich wieder mal einen Ausflug in die Wiener Küche unternehmen möchte. 

Das Sacherkochbuch
Birgit Schwaner, Alexandra Winkler  
Gebundene Ausgabe, 400 Seiten
Pichler Verlag, 2013
ISBN13: 978-3854316404 
Dieses Buch wurde mir vom Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Auf den Inhalt dieser Rezension hat der Verlag und/oder der Autor dieses Buches aber selbstverständlich keinen Einfluss genommen. 

Der Inhalt dieser Rezension entspricht 100%ig meinem persönlichen Eindruck des Buches. 
* = Affiliatelink

Kommentare:

Mirela hat gesagt…

Eine schöne Rezension! Ich war damals bei der Vorstellung des Buches im Sacher und wir kochten sogar gemeinsam mit dem Küchenchef ein Rezept nach. Es war richtig toll mal hinter die Kulissen zu Blicken und zu sehen, wie es in der Küche des Sachers so abläuft (vielleicht gerade deshalb, weil man es als Wienerin eher als Touristenhotspot sieht). Zum Abschluss wurden noch ein paar Desserts gereicht (unter anderem die Schokomousse und der Milchreis aus dem Kochbuch) und ich war richtig begeistert!

Werde sicherlich auch noch darüber berichten, wenn ich 2-3 Rezepte Zuhause nachgekocht habe :)

judith hat gesagt…

Schöne Rezension! Ich bin trotzdem dafür, dass du bezüglich der typischen österreichischen Küche trotzdem noch den Plachutta probieren solltest. Aber das hab ich eh schon ein paar mal gesagt :)

Fräulein Sachertorte hat gesagt…

Hallo!

Als Wienerin ist mir das Sacher natürlich sehr bekannt und kann dem nur zustimmen, dass es eher einem Touristenmagneten gleicht.
Selbst bin ich absolut kein Fan davon...

Plachutta ist da auf jeden Fall die bessere Wahl!

Dennoch ist die Rezension sehr schön, sehr ehrlich!

LG
Viktoria

Steph hat gesagt…

Der Plachutta wird demnächst auch angeschafft - Fischkopp-Ehrenwort! ;-)

Ralph Knauth hat gesagt…

Ich habe das Große Sacher Kochbuch von Franz Maier Bruck ( 1975 ) im Schrank. Das schaut aber ganz anders aus ;)

Ute hat gesagt…

Ich plädiere für Franz Maier Bruck! Da steckt viel mehr Improvisation drin, es wird nicht jedes Rezept zu Ende erklärt, es regt richtiggehend an. Dort kann man auch z.B. nachlesen, was die italienische und die österreichische Küche miteinander zu tun haben. Oder man nimmt ein Geschichtsbuch zu Hand.

 

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