Tarte mit karamellisiertem Balsamico-Knoblauch

Fremdkochen Tartes Als ich vor knapp 3 Jahren meinen kleinen Laden aufgemacht habe, bin ich sehr schnell auf die Hüttenhilfe gestoßen, die damals jeden Monat das sog. Fremdkochen veranstaltete. 
Das Fremdkochen ist kein normaler Blog-Event, bei dem vom Organisator ein Thema vorgegeben wird und jeder Teilnehmer in seiner Kochbuchsammlung nach einem passenden Rezept sucht, sondern das Ziel des Fremdkochens ist es, in der Blogger-Nachbarschaft zu stöbern, sich dort ein interessantes Rezept herauszupicken und es dann mit oder ohne Abwandlungen nachzukochen. 
Ein Link zum Originalrezept/Foodblog sollte sich von selbst verstehen versteht sich von selbst, wodurch dann auch automatisch die Vernetzung der Foodblogs untereinander verstärkt wird, sowohl Teilnehmer, als auch Blog-Leser die Möglichkeit haben, neue Blogs kennen zu lernen und die teilnehmenden Foodblogs, durch die am Ende des Fremdkochens in der Hüttenhilfe veröffentlichte Zusammenfassung und das PDF-Kochbuch (zu besonderen Gelegenheiten wird es sogar wieder ein gedrucktes Fremdkochen-Buch geben) ihren Blog einem größeren Publikum vorstellen können. 

Seit Anfang August unterstütze ich Alin und Sebastian bei der Hüttenhilfe und bin in Zukunft unter Anderem auch für die Organisation der Fremdkoch-Events, die "Betreuung" ;O) der Teilnehmer, die Rezeptdatenbank, usw. zuständig - es ist also nur selbstverständlich, dass ich die neue Fremdkoch-Saison mit dem Thema "Tartes" eröffne und Euch heute meine erste fremdgekochte fremdgebackene Tarte serviere.

Ich hab lange überlegt, welche Tarte ich als Erstes fremdbacke und bin schlussendlich mal wieder bei Mestolo gelandet, einem wunderschönen vegetarischen Foodblog, auf dem Päm beinahe täglich spannende und abwechslungsreiche Rezepte präsentiert, die sie zu allem Überfluss auch noch wunderschön in Szene setzt ;o)
Bei Ihr kommt auch der eingefleischteste Carnivore voll auf seine Kosten und würde gar nicht auf die Idee kommen, die Bratwurst oder das Steak auf dem Teller zu vermissen. Ich bin zwar selbst keine Vegetarierin mehr, wie Ihr aber vielleicht wisst, achten wir sehr darauf, woher unser Fleisch und Fisch kommt und halten den Fleisch- und Fischkonsum in einem sehr überschaubaren Rahmen - Flexitarier nennt man das wohl heutzutage ...

Diese Tarte war mir schon in Yotam Ottolenghis "Genussvoll Vegetarisch" aufgefallen, da ich aber exakt das gleiche Problem mit diesem Buch wie Robert habe, steht es seit dem ersten Durchblättern quasi ungenutzt im Regal und ich hatte bisher erst ein einziges Rezept daraus ausprobiert.
Das Buch fühlt sich an wie mein erstes quietschegelbes Baby-Fotoalbum aus den 70ern, aber nicht wie ein Kochbuch, mit dem ich es mir abends auf dem Sofa gemütlich mache um darin zu stöbern - wahrscheinlich wäre es aber ein prima Sitzkissen ;O)
Umso glücklicher der Zufall, dass Päm genau dieses Rezept in ihrem Blog präsentiert und gerade erst kürzlich noch einmal "aufgewärmt" hat, so konnte ich das Buch auch diesmal im Regal lassen.
Natürlich hab ich mal wieder ein paar kleine Modifizierungen am Rezept vorgenommen, so ist beispielsweise aus dem Blätterteig ein Mürbeteig geworden - Blätterteig ist einfach nicht mein Ding. Außerdem hab ich den Rosmarin weggelassen, dafür mehr Thymian verwendet, die Balsamicomenge erhöht und ausschließlich Créme Fraîche verwendet, sonst ist aber alles streng nach Rezept!

Ja, Ihr seht richtig, diese Tarte besteht quasi zu 50% aus Knoblauch, Ihr solltet also schon einigermaßen Knoblauchbegeistert sein und den Zeitpunkt sehr sorgfältig wählen, wenn Ihr Euch entschließt, diese Tarte nachzubacken. Ideal ist ein Freitag, vorausgesetzt, Ihr habt alles für's Wochenende eingekauft und müsst die nächsten zwei Tage nicht mehr vor die Tür, bzw. unter Menschen. 
Mein Mitesser und ich hatten am nächsten Tag nicht nur das Gefühl, 10 Meilen gegen den Wind nach Knoblauch zu stinken (war garantiert auch nicht nur so ein Gefühl, sondern ne Tatsache ;o) ), sondern bis zum Mittag auch noch einen sehr kräftigen Knoblauchnachgeschmack - bis zum Mittagessen war der dann aber glücklicherweise weg, denn das hätte nicht so optimal gepasst. 
Also, wenn Ihr Knoblauch so richtig gerne mögt, noch das richtige Essen für einen Vampirfilm-Videoabend sucht und nichts dagegen habt, mal ein Wochenende daheim zu verbringen, ist diese Tarte genau das Richtige für Euch - die ist nämlich wirklich lecker! 

Und nun seid Ihr dran. Schaut Euch bei den Damen und Herren Kollegen um, sucht Euch eine schöne Tarte, Quiche oder Galette aus (egal ob herzhaft oder süß) und dann nix wie los! 

Zutaten 

Mürbeteig
250 g Mehl 
125 g kleingeschnittene weiche Butter 
1 Eigelb 
50 ml Wasser 

Belag
3 Knollen junger französischer Knoblauch (Ail Rose de Lautrec)
1 EL Olivenöl 
3 EL Balsamicoessig 
220 ml Wasser
1 TL Zucker 
2 TL frischer Thymian, fein gehackt 
Salz & Pfeffer
120 g Ziegenweichkäse
120 g Ziegenhartkäse 
2 Eier 

Zubereitung 

Mürbeteig 
Alle Zutaten miteinander vermengen und zu einem Teig verkneten. Den Teig zu einer Kugel formen und mindestens 2 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen. Ca. 15 Minuten vor dem Ausrollen aus dem Kühlschrank nehmen, auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen und eine hohe Quicheform damit auslegen. 
In regelmäßigen Abständen mit einer Gabel einstechen und erneut für 30 Minuten in den Kühlschrank stellen. 
Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen, mit Backpapier abdecken und getrocknete Bohnen oder andere Hülsenfrüchte daraufgeben. 15 Minuten bei 180°C im Ofen blindbacken. Bohnen und Papier entfernen und weitere 5 Minuten backen. 

Belag 
Die Knoblauchzehen vereinzeln, schälen und die holzige Seite abschneiden. In einen Topf geben, mit Wasser bedecken und zum Kochen bringen. Ca. 3 Minuten köcheln, dann in ein Sieb abgießen und gut abtropfen lassen. Den Topf zurück auf die Platte stellenund ausdampfen lassen. 
Die abgetropften Knoblauchzehen in den Topf geben, Olivenöl hinzufügen und die Knoblauchzehen bei starker Hitze ca. 2 Minuten anbraten. Mit Balsamicoessig und Wasser ablöschen und 10 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen. 
Den Zucker, Thymian uns eine großzügige Prise Salz zufügen und weitere 10 Minuten köcheln lassen, bis die Flüssigkeit fast komplett verdampft ist und die Knoblauchzehen von einem dunkelbraunen Karamellsirup überzogen sind. Beiseite stellen. Beide Käsesorten in Würfel schneiden und auf den vorgebackenen Tarteboden streuen. Die Knoblauchzehen gleichmäßig darüber verteilen. 
In einem Gefäß die Eier mit der Sahne verquirlen und mit Salz und Pfeffer würzen. Über der Tartefüllung verteilen und die Tarte im auf 180°C vorgeheizten Backofen ca. 30-40 Minuten backen, bis die Füllung komplett gestockt und goldbraun gebacken ist. 
Etwas abkühlen lassen und warm mit einem Salat servieren. 

Kommentare:

Sebastian hat gesagt…

Die würde ich jetzt gerne essen!

Steph hat gesagt…

Du bist wohl nicht sonderlich gesellig, was? ;o)

Remy hat gesagt…

Gott sei Dank sind mein Mann und ich gleichermaßen von Knoblauch begeistert, so dass dieser Tarte in unserem Heim gar nichts im Wege steht. Bei solchen Rezepten wünsche ich mir immer Geruchs-WWW...

uwe@highfoodality hat gesagt…

Krass. So viel Knoblauch. Ich mag die Knollen ja ganz gerne, aber in der Masse?? Ich würde es zu gern mal ausprobieren, aber dann reicht meine Mitesserin wahrscheinlich die Scheidung ein.

Schnuppschnuess hat gesagt…

Ach, das ist ja interessant, dass du den Einband auch unangenehm findest. Ich mag ihn geradezu und finde ihn praktisch. Kann man auch mal eben abwischen, falls er mal schmutzig werden sollte.

Absolut einig sind wir uns beim Rezept und überhaupt... der Ottolenghi macht mich sehr glücklich. Bei der Tarte würde ich aber den Ziegenkäse durch Schafskäse ersetzen; das sollte doch möglich sein, oder? Die Knoblauchmenge ist erstaunlich, aber damit haben wir hier kein Problem. Wir lieben das Zeug!

Jennifer hat gesagt…

zauberschöne fotos.
und interessante tarte. der creme fraiche und der käse lockern wahrscheinlich die schärfe des knoblauchs?
würde ich gerne mal ausprobieren!

Turbohausfrau hat gesagt…

Vor ein paar Wochen hat Angelika Apfelthaler dieses Rezept gepostet. Ich habe damals bei ihr nachgefragt, wie es geruchstechnisch ausschaut, weil genau das hat mich bisher davon abgehalten, diese Tarte zu backen. Sie schrieb, sie würde das Innenteil vom Knoblauch rausziehen, dann gäbe es keine Probleme mit dem Stinken.

Den Einband vom Buch mag ich übrigens auch gern - meine anderen Kochbücher sind außen oft recht schmuddelig, weil ich sie mit dreckigen Teigfingern oder so angegriffen habe. Das Ottolenghi-Buch ist wie die ersten Bücher für Kinder, die kann man auch gut abwischen. Genau das Richtige für mich! ;)

Steph hat gesagt…

@ Remy
Wenn Ihr so große Knoblauchfans seid, ist diese Tarte wirklich wie für Euch gemacht ;o)

@ Uwe
Das hätte ich aber auch, wenn nur mein Mitesser diese Knoblauchmassen verdrückt hätte - entweder beide oder keiner ;o)

@ Jutta
Den Ziegenkäse kannste ganz problemlos ersetzen, ich kann mir auch sehr gut nen Feta anstelle des weichen Ziegenkäses drin vorstellen.

@ Jennifer
Der Knoblauch ist durch das braten, karamellisieren und anschließende backen gar nicht mehr scharf und der Rest wird von der Creme abgemildert, da haste Recht.

@ Turbohausfrau
Das mit dem Knoblauchkeim ist in meinen Augen ein Ammenmärchen, da die komplette Knoblauchzehe und nicht nur der Keim schwefelhaltige Verbindungen enthält, die für diesen Geruch verantwortlich sind.

Für Haushalte mit Kindern ist der Ottolenghi wirklich perfekt ;o)

Turbohausfrau hat gesagt…

Öhm, ich hab keine Kinder - ich bin diejenige, die den Dreck macht ...

Zeralda hat gesagt…

Steph, ich teile Deine Ansicht zum Umschlag - weich aufs Original aus, das sieht neutral aus, die amerikanische Version sogar hübsch. Dieses Buch darfst Du nicht verpassen! Ich bin ihm hoffnungs- und bedenkenlos verfallen, einzig zum Tofu bekehrt mich der Autor nicht - damit kann er gerne weitere Buchumschläge wattieren...

Steph hat gesagt…

@ Zeralda
Nene, noch eine Ausgabe dieses Buches brauch ich nicht - wenn ich wirklich mal ein Rezept draus kochen möchte, komm ich mit dem Umschlag schon klar ;o)
Und ansonsten hab ich ehrlich gesagt auch bessere Kochbücher, in denen ich nach vegetarischen Gerichten stöber - aber das ist selbstverständlich komplett subjektiv.

Mestolo hat gesagt…

Oh, wie schön, das seh' ich ja jetzt erst. Danke für's Nachkochen UND für den Event-Tipp.

PS: Der Einband vom Buch war mir wurscht, ich mag den Inhalt. :)

Jonas hat gesagt…

Das hört sich sehr interessant an und sieht auch sehr lecker aus :)

Stöbere gerade beim Anregungen holen und sehe IDnge die ich nie bewerkstelligen werde können :(

Anonym hat gesagt…

SUPERLECKER!!! Ich habe aus der Not heraus ein wenig abgewandelt. Mangels Weich- und Hartkäse von der Ziege habe ich den Boden mit Ziegenfrischkäse bestrichen und noch ein wenig in den Guss gerührt. Und da gerade im Frühling der ganz junge Knoblauch kommt, war die Tarte sehr mild. Als Teig nehme ich lieber den "Lieblingsquicheteig", den Nicole Stich in ihrem Buch erwähnt.

Auf deinen Blog bin ich übrigens auf der Suche nach Rezeptideen für Deichkäse gestoßen. Es wird regelmäßig reichlich eingekauft wenn wir mal wieder an der Küste sind 😉

Tolle Rezepte! Lg (auch eine) Steph

 

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