Kartoffel-Bandnudeln mit Wildschweinsugo

Da meint man ein Kochbuch in und auswendig zu kennen und findet beim gefühlten 100dsten Durchblättern doch noch ein Rezept, dass bisher völlig unter gegangen ist - ich könnte schwören, dass dieses Rezept vor dem letzten Durchlesen nicht im Buch war, aber das glaubt mir ja eh keiner ;o)

Pasta ist für uns ein absolutes Grundnahrungsmittel, wenn nicht ein gewisser Vorrat (und der muss groß sein, so richtig groß ;o) ) an sehr guter Fertig-Pasta im Haus ist, werd ich hibbelich, schließlich muss ich für den akuten Pasta-Jieper gerüstet sein und das geht nur, wenn mindestens 5 verschiedene Sorten zur Auswahl stehen - Nudeln für Salat (Orecchiette, Orzo, Penne, usw.), Tagliatelle, Pappardelle, Fettucchine und mindestens eine Pastasorte, in der sich die Sauce ideal fängt. Ghiottole, Fusilli, Ferrazzuoli, Strozzapreti, Capricci, usw. sind meine bisherigen Favoriten. 

Wenn es mal nicht schnell gehen muss, mach ich den Nudelteig natürlich sehr gern selber, das hat sich sicher mittlerweile herumgesprochen - dieser Kartoffelnudelteig ist mir bisher aber noch nicht untergekommen. Da half nur eins, schleunigst ausprobieren!

Im Rezept ist angegeben, dass die Kartoffeln als Pellkartoffeln gekocht werden sollen, noch intensiver wird das Kartoffelaroma aber, wenn man sie in einem Kartoffeltopf oder in Alufolie gewickelt im Backofen gart. Die Kartoffeln bekommen dadurch einen Geschmack, der denen von im offenen Feuer gegarten Kartoffeln ähnelt - kräftig, aromatisch und mit einer leicht süßlichen Note. 

Natürlich ist die Auswahl der Kartoffelsorte ebenfalls entscheidend, ich bevorzuge Belana, Laura, Gunda oder Linda von unserem Wochenmarkt-Stand, dort sind die Kartoffeln zwar ungewaschen und man bekommt sowohl große, als auch ganz winzige, hat aber als Verbraucher auch gleichzeitig die Gewissheit, dass sie nicht nur nach Bio-Richtlinien angebaut, sondern auch sehr gründlich geerntet werden, d.h., es bleibt nicht die halbe Ernte auf dem Feld liegen und gammelt dort vor sich hin, weil die Kartoffeln nicht dem Ideal des Verbrauchers entsprechen - eine wirklich perverse Entwicklung ...

Die Kombination dieser Kartoffelnudeln mit dem kräftigen Wildschweinsugo war wirklich klasse und stand nicht zum letzten Mal bei uns auf dem Tisch, zumal wir uns vorgenommen haben, vermehrt Wild zu essen. Also nicht mehr Fleisch im Allgemeinen, sondern von dem wenigen Fleisch, das wir sowieso nur noch essen, den Anteil des Wildes zu erhöhen, aber dazu und zu unserer Wildfleischquelle ein andernmal mehr. 

Kartoffel-Nudelteig

Zutaten
100 g gekochte Kartoffeln, gepresst
300 g Mehl
2 Eier
1 gestrichener TL Salz

Zubereitung
Kartoffeln schälen und gar kochen. Abgießen und auf der ausgeschalteten Platte gründlich ausdampfen lassen. Noch heiß durch eine Kartoffelpresse drücken. Komplett auskühlen lassen.
Kartoffeln, Mehl, Eier und Salz in eine Schüssel geben und mit dem Mixer gut verrmischen. Auf der Arbeitsfläche mit den Händen zu einem geschmeidigen Teig kneten - in Frischhaltefolie wickeln und ca. 30 Minuten ruhen lassen.
Nochmals gut durchkneten und in 3 Portionen teilen. Den Teig mit einem Nudelholz oder einer Nudelmaschine (Stufe 5 von 6) ausrollen und Nudeln gewünschter Breite schneiden.

Im Gegensatz zu Nudeln aus Hartweizen, habe ich diesen Nudelteig nicht max. dünn ausgerollt, sondern nur bis zu Stufe 5. 
Diese Pastasorte schmeckt besonders gut zu kräftigen Fleischsugi, daher ist es nicht verkehrt, wenn sie nicht ganz so dünn sind. 

Wildschweinsugo

Zutaten
1 kg Wildschweingulasch, 1 cm große Würfel
2 Zwiebeln, fein gewürfelt
2 Möhren, fein gewürfelt
1 dünne Scheibe Sellerie, fein gewürfelt
1 Stange Lauch (das Weiße), fein gewürfelt
2 confierte Knoblauchzehen
1/2 Bio-Zitrone, die Schale, fein gehackt
400 ml Weißwein (Chardonnay)
1 kleine Dose Pelati (425 g)
je 1 Zweig Rosmarin und Salbei
Salz und Pfeffer
Olivenöl

Zubereitung
Fleisch trocken tupfen und in Olivenöl von allen Seiten scharf anbraten. Gemüsewürfel, Knoblauch und Zitronenschale dazugeben und kurz mit anschwitzen. Rosmarin und Salbei zufügen und mit Weißwein ablöschen. Tomaten dazugeben und alles ca. 1 1/2 Stunden bei milder Hitze schmoren lassen, bis das Fleisch zart ist. Mit Salz und Pfeffer würzen und vor dem Servieren etwas frisch abgeriebene Zitronenschale unterrühren.
Mit Kartoffel-Bandnudeln servieren. 
 

Quelle: Cornelia Schinharl - Toskana, Umbrien und die Marken, Küche und Kultur 
 

Kommentare:

Bengelchen hat gesagt…

Ich kann gar nicht verstehen, warum Kartoffelgrößen "genormt" werden müssen. Jede Größe hat doch was für sich. Für Rosmarinkartoffeln oder ähnliches mag ich kleine Kartoffeln lieber. Für Bratkartoffeln mag ich große lieber, da muss ich nicht so viel schälen *g*

Fleisch esse ich ja nicht, aber die Nudeln mal mit Kartoffeln zu machen finde ich toll!

Hesting hat gesagt…

Hmmm, lecker ... :)

Wie machst Du denn Fusilli selbst? Gibt es dafür Aufsätze?

Täglich Freude am Kochen hat gesagt…

Das wäre ein Rezept für meinen Mann, er liebt Wilschwein. Allerdings ist es bei uns in Südtirol sehr schwer zu bekommen.

Steph hat gesagt…

@ Bengelchen
Das mit den Kartoffeln seh ich ganz genauso, aber diese abgepackten Kartoffeln im Supermarkt müssen wohl einer bestimmten Norm entsprechen, sonst kauft sie keiner ... hmpf ...

Die Nudeln schmecken übrigens auch ganz klasse zu einem kräftigen Gemüsesugo, Fleisch brauchen die gar nicht unbedingt.

@ Hesting
Wieso Fusilli selbstmachen? Kann man machen, wenn man unbedingt möchte, ich kaufe sie aber fertig.

@ Täglich Freude am Kochen
Da haben wir hier mehr Glück, Wildschweine sind hier wirklich alles andere als selten :O)

Arthurs Tochter hat gesagt…

Ich habe jetzt ein paarmal Wildschwein-Lasagne gegessen, davon kann ich nicht genug bekommen!
Und wir "leiden" in Rheinhessen dermaßen unter einer Wildschweinplage, da hilft nur aufessen!
:))

Christina hat gesagt…

Ich versteh das mit den genormten Kartoffeln auch nicht. Ist ja bei Obst und Gemüse im Allgemeinen auch nicht anders. Das ist echt ein riesen Problem.

Tolles Rezept, da würde ich mal spontan sagen: Reinhüpfen! :-)

Claus hat gesagt…

Klasse Idee!
Übrigens: Kartoffeln garen bei mir öfters mal im Römertopf im Backofen, auch ne schöne Methode.

claudi hat gesagt…

Nudeln kaufe ich nach wie vor lieber fertig, aber der Wildschweinsugo, den bau ich nach!
VG,
Claudi

chriesi hat gesagt…

Mmmm!! Die Nudeln muss ich nachkochen.

Steph hat gesagt…

@ Astrid
Ha, ich hab noch n büschen Wildschweinfleisch im Gefrierschrank - Lasagne ist ne ganz geniale Idee!

@ Christina
Schon allein der Gedanke, genormtes Obst und Gemüse ... Nee, geht gar nicht!

@ Claus
Römertopf, natürlich! Da hätt ich auch selbst drauf kommen können - toller Tipp!

@ Claudi
Es gibt auch wirklich so gute Fertigpasta, da kann man das Nudeln getrost denen überlassen, die Spaß dran haben ;o)

@ Chriesi
Dann wünsch ich schonmal guten Appetit ;O)

Mini-Küche hat gesagt…

Wildschwein ist zwar überhaupt nichts für mich, aber diese Kartoffelnudeln interessieren mich brennend, vielleicht sollte mein noch ausstehendes Weihnachtsgeschenk von Papa eine Nudelmaschine werden...mh....

Andreas hat gesagt…

...habe gleich mal deine Wildquelle gespeichert... danke für den Tipp. Übrigens: noch ein gesundes Neues!

esli hat gesagt…

Hallo,
ich mache meine Nudeln fast alle selber, aber Kartoffelnudeln sind mir noch nicht untergekommen, werde ich bestimmt testen.
Bei Kartoffeln gibt es große Qualitätsunterschiede ich verwende entweder selbstanbaute oder gekaufte Biokartoffeln.

KunstUndGlas hat gesagt…

mhhhhhhhhhhhhh, hört sich wunderbar an. Muss mal sehen wo ich Wildschwein herbekomme......
Liebe Grüsse vom anderen Ende der Welt :-))))
Christine

Schnuppschnuess hat gesagt…

Hier geht es also auch wild zu - ui, die Kartoffelnudeln muss ich sofort ausdrucken und ganz oben auf den Stapel legen.

Der Wildversand kommt für mich nicht in Frage, aber ich finde, dass die Preise für die Ware sehr günstig sind. Wenn ich die Möglichkeit hätte, einen Marktstand des Anbieters aufzusuchen, wäre ich da Stammkunde.

Steph hat gesagt…

@ Lilly
Unbedingt! Eine Nudelmaschine kann man immer gebrauchen und wenn nicht für Pasta, dann für Cracker, Knusperfladen, usw. usf.

@ Andreas
Vielen Dank, das wünsch ich Dir auch!

@ Christine
Wenn Du kein Wildschwein bekommst, kannst Du auch Lamm verwenden, dass dürfte für Dich sicher kein Problem sein ;o)

@ Jutta
Die Preise sind wirklich sehr günstig und der Service ist einfach grandios. Hier in Eppendorf gibt's natürlich auch einen Schlachter, der auf Wild spezialisiert ist, wir kaufen aber grundsätzlich nur bei den von Bülows ein.
Die von Bülows sind auch auf vielen Kunsthandwerkermärkten hier in Norddeutschland zu finden, dort haben wir auch das erste Mal die leckere Wildschweinbratwurst gegessen, die seitdem fest zu unserem Repertoire gehört und spätestens Heilidabend zum Kartoffelsalat auf unserem Tisch steht :o)

 

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