Baiser aus dem Dörrautomat

Mit Baiser kann man mich jagen. Diese staubtrockenen Zuckerdinger vom Bäcker sind eigentlich mein absoluter Graus, denn außer süß sind die ja nix und sobald man es wagt, in so ein Ding reinzubeißen, zerfallen sie in tausend Stücke. Also nichts für mich, die ich es am liebsten herzhaft mag und wenn schon süß, dann aber wenigstens fruchtig und saftig. 
Für einige Süßspeisen, die sogar ich mag, sind Baiser aber zwingend notwendig, also habe ich - auch weil ich eh gerade Eiweiß von der Eisherstellung übrig hatte - ein paar zubereitet. 

Baiser aus dem Dörrautomat
Für die Eton Mess, die ich mit den Baisers zubereiten möchte, brauche ich schneeweiße und staubtrockene Baisers, das bedeutet, die Baisermasse muss lange bei relativ niedriger Temperatur trocknen, sonst nehmen die Baisers Farbe an und werden beige, bzw. gelblich. Geht natürlich nicht, wenn man so ein Monk ist wie ich, also habe ich Maßnahmen eingeleitet, damit die Baisers schneeweiß bleiben.

Da ich ein ganz wunderbares Dörrgerät* besitze, habe ich die Baisers natürlich darin getrocknet, das klappt wunderbar und das Resultat sind perfekt und gleichmäßig getrocknete Baisers, die sich in einer luftdicht verschließbaren Dose sehr lange halten. Ich kann also außer der Eton Mess, für die Ihr das Rezept übermorgen natürlich auch bekommt, auch noch was anderes damit anstellen - zufällig hab ich da auch schon 1-2 Ideen :o)

Fertige Baisermasse
Ausschlaggebend für die Haltbarkeit der Baisers ist neben dem eigentlichen Trocknen natürlich auch die Zubereitung. Baiser enthält ja frisches Eiweiß, die Salmonellengefahr ist theoretisch also vorhanden, wenngleich sehr gering. 
Um definitiv auszuschließen, dass evtl. vorhandene Salmonellen überleben und sich womöglich sogar vermehren, muss das Eiweiß, bzw. die Baisermasse mindestens 10 Minuten über 70°C erhitzt werden. 
Das kann man über dem Wasserbad machen und dabei die Temperatur mit einem Zuckerthermometer* im Auge behalten oder wie ich mit der Wärmeschüssel von KitchenAid, bei der man die Temperatur auf 80°C einstellen und dann über den gewünschten Zeitraum halten kann, während die Masse mit der Küchenmaschine kräftig aufgeschlagen wird.
    
portionierte Baisers vor dem Trocknen
Da ich die Baisers eh zerbröseln möchte und nicht vorhabe, sie in der Form um Knabbern zu servieren, habe ich die Masse mit einem Eiskugelportionierer* auf ein mit Backpapier ausgelegtes Dörrblech gesetzt. Sie sind dann perfekt portioniert und trocknen dadurch natürlich gleichmäßig. Wer sich das Formen einfach machen, aber trotzdem hübsche Baisers haben möchte, der verziert die Baisers einfach noch mit einer Scheibe getrockneter Erdbeeren oder setzt andere getrocknete Beeren drauf.

Wie man Erdbeeren zu Erdbeerchips verarbeitet, zeige ich Euch demnächst auch noch, sobald die Erdbeeren endlich mal n büschen mehr Geschmack bekommen und nicht mehr nur nach Wasser schmecken. Das Bild, das Ihr oben seht, stammt noch aus dem letzen Jahr, als ich blecheweise Erdbeerchips getrocknet habe.

Baisers im Dörrautomaten Sedona Combo
Die portionierten Baisers gebe ich in mein Dörrgerät* und trockne sie bei 50-60°C für ca. 48 Stunden. Die Bleche drehe ich nach der Hälfte der Zeit einmal um, denn auch, wenn mein Dörrgerät sehr gleichmäßig arbeitet, so sitzen die Ventilatoren natürlich an der Rückwand und die hinteren Baisers sind deutlich schneller fertig als die in der ersten Reihe.
Man kann Baisers natürlich auch im Backofen zubereiten, der Verbrauch ist nur deutlich höher und ich möchte meinen Backofen nicht 48 Stunden mit Baiser besetzen.

Sobald die Baisers fertig sind, sind sie sehr leicht und fühlen sich hohl an - sie klingen auch so, wenn man unten auf die Unterseite tippt. Ich fülle sie dann in festverschließende Dosen um und kann sie so erstmal sicher aufbewahren, bis ich alle Ideen, die sich dafür angesammelt haben, abgearbeitet habe. 


Zutaten für ca. 15 Stück
130 g Eiweiß (ca. 4 Stück)
250 g Puderzucker
1/4 TL Salz

Zubereitung
Das Eiweiß zusammen mit dem Salz und Zucker in eine Schüssel geben und über dem Wasserbad (die Schüssel darf das Wasser nicht berühren) solange mit dem Mixer aufschlagen, bis das Eiweiß so steif geworden ist, dass sich kleine Eischneespitzen bilden. Um die Salmonellengefahr zu unterbinden, sollte dieser Vorgang mindestens 10-15 Minuten dauern.
Die fertige Baisermasse mit einem Eiskugelformer oder alternativ zwei Teelöffeln in ausreichendem Abstand auf einem mit Backpapier ausgelegten Dörrblech verteilen und im Dörrgerät bei 60°C ca. 48 Stunden dörren, bis sie komplett durchgetrocknet sind. Luftdicht verschlossen halten sich die Baisers und werden nicht weich.

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Kommentare:

Myriam hat gesagt…

Danke Dir für den tollen Tipp. Ich habe den gleichen Dörrautomaten,
aber auf die Idee darin Baiser zu trocknen wäre ich wohl nicht gekommen :-)
Internetten Gruß
Myriam

SelbstgemachteDinge hat gesagt…

Liebe Steph,
für mich kommt Baiser auch nur bei verschiedenen Desserts in Frage. Die Trockenmethode mit dem Dörrautomat ist spitze.
Erdbeerchips wollte ich jetzt auch mal herstellen. Da warte ich doch auf deinen Post. Vielleicht ist noch ein Tipp dabei den ich nicht kenne ;-)
Ganz liebe Grüße
Manuela

Anonym hat gesagt…

Hallo Steph, ich habe deinen blog entdeckt, und er gefällt mir, auch die Rezepte sind toll!
Schöne Grüsse aus Österreich, Maria

Anonym hat gesagt…

Klappt auch super in vegan, einfach aus Kichererbsen Wasser Glas (oder Dose) nennt sich AQUAFABA, einfach mal Gugeln auch auf Englisch AQUAFABA Rezepte, Recipe.

Dein Rezept und deine Fotos sind wie immer klasse!
Viele Grüße sendet, Jesse Gabriel

Steph hat gesagt…

Ich danke Dir Jesse! Aquafaba kenne ich, ich bleib aber lieber bei der Originalvariante ;o)

Anonym hat gesagt…

Würde ich an deiner Stelle auch machen den alles andere ich für mich auch kein richtiges Baiser!
Viele Grüße sendet, Jesse Gabriel

Sonja hat gesagt…

Ein wunderschönes Tellerchen (das mit Goldrand und Blümchen), und auch die Form der Baisers gefällt mir sehr gut!

Liebe Grüsse
Sonja

 

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