Flammkuchen, fast klassisch

... wenn man mal von den roten Zwiebeln absieht ;o)

Pizza ist zugegeben eine wirklich leckere Angelegenheit und gehört auch in so ziemlich jeder Ausführung zu meinen absoluten Lieblingsgerichten, es gibt aber noch eine Steigerung, die locker jede Pizza auf die hinteren Ränge verdrängt - Ihr ahnt es sicher schon - Flammkuchen :o)
Der erste Biss in einen knusprig krossen, gerade aus dem Backofen kommenden Flammkuchen, das ist der Himmel auf Erden, da hat auch ein großes Stück Schokotorte keine Chance...

Flammkuchen
Ich habe dieses Jahr zum offiziellen Jahr des Flammkuchens ernannt und starte deshalb auch sehr zeitig in die Saison. Es gibt zwar noch keinen Federweißen, aber darauf konnte ich in diesem Jahr nicht warten, der Flammkuchenjieper hatte mich gepackt. Und wenn der Flammkuchenjieper einmal zugeschlagen hat, dann muss frau dem auch nachgeben. Zeitnah. Am besten sofort.
Damit ein Flammkuchen zu einem kulinarischen Hochgenuss wird, braucht man gute Zutaten, denn bei mal grad 4 Grundbestandteilen kann man nicht viel vertuschen, bzw. hinter 1365 Gewürzen verstecken.

durchwachsener Speck vom Angler Sattelschwein
Ihr braucht also zu allererst mal einen richtig guten Speck, nicht dieses eingeschweißte Zeug aus dem Discounter, sondern ein Stückchen vom Schlachter d.V..
Da der Fettgehalt des Specks bei meinem Schlachter (also nicht bei meinem Schlachter selbst, sondern halt am Schweinespeck, nicht, dass da Missverständnisse aufkommen) oft sehr schwankt, schlage ich immer im großen Stil zu, wenn ich ein richtig tolles, verhältnismäßig mageres Stück entdecke. 
Ich kaufe dann also ein großes Stück und hänge das wie früher bei Omma an einem Bindfaden in der Küche auf - hält sich ewig und ich habe so immer ein gutes Stück Speck daheim. 
Wenn ich, so wie bei diesem Flammkuchen, die Schwarte nicht brauche, schneide ich sie ab und bewahre sie im Kühlschrank auf um sie bei nächster Gelegenheit auszulassen - auch die Schwarte eines so tollen Specks ist nämlich viel zu schade zum wegschmeißen. 

Rote Zwiebeln
Die zweite, ganz wichtige Zutat sind natürlich die Zwiebeln. Ich verwende sehr gerne rote Zwiebeln, weil die ein feineres Aroma haben und schon eine schöne süße Note mitbringen. Zusammen mit der leichten Säure der sauren Sahne und dem kräftigen Speckaroma ist das wirklich eine Offenbahrung. 
Die Zwiebeln hobel ich auf dünnster Stufe mit meinem Gemüsehobel* und gebe sie roh auf den Flammkuchen, ruhig reichlich, das kann der Flammkuchen schon ab. 
Bei den unten angegebenen Mengen und der Größe der Teiglinge rechne ich immer eine rote Zwiebel pro Flammkuchen.
Das Hobeln der Zwiebeln ist wichtig, weil sie wirklich richtig dünn geschnitten sein müssen, sonst garen sie in der Kürze der Zeit, die der Flammkuchen im Backofen verbringt, nicht durch.

Komponente 3, der Teig. Spätestens hier scheiden sich die Geister und die Flammkuchen- anhängerschaft teilt sich in 2 Gruppen. Gruppe 1 gibt Hefe in den Teig, Gruppe 2 nicht. Ich gehöre zur 2. Gruppe. 
Flammkuchen soll ja von Haus aus schon mal hauchdünn sein und nicht zur Deep Dish Pizza mutieren - wofür braucht man also Hefe? 
Ich verwende für den Teig 550er Mehl, Wasser, Salz und etwas Öl, mehr nicht. Der Teig wird dann so hauchdünn ausgerollt, dass er knapp am Strudelteig vorbeischrammt, belegt und wandert in den vorgeheizten Backofen. 
Wenn Ihr keinen Pizzastein habt (hab ich auch nicht), könnt Ihr euch behelfen, indem Ihr das Backblech direkt auf den Boden des Backofens legt und auf höchster Stufe (also ruhig 260°C) bei Unterhitze (wichtig, das Backblech soll ja so heiß wie möglich werden) vorheizt.
Den Flammkuchen schiebt Ihr dann auf einem Stück Backpapier auf das Blech, lasst ihn ca. 2 Minuten backen, bis das Backpapier langsam schwarz wird und zieht das Papier dann unter dem Flammkuchen heraus. Der Flammkuchen braucht dann je nach Backofen noch so 2-3 Minuten und ist schon fertig. 
Wenn das Blech richtig heiß war, bekommt Euer Flammkuchen genauso schöne Blasen wie der oben auf dem Foto - ganz ohne Hefe. Außerdem ist er natürlich mordsknusprig, versteht sich von selbst. 

So, das ist jetzt also der Beginn einer wunderbaren Flammkuchensaison, ich hab das im Gefühl! Der nächste wird eine norddeutsche Variante - ich freu mich jetzt schon! 

Zutaten für 10 kleine Flammkuchen
500 g Mehl (550er)
12 g Salz
ca. 300 g Wasser
4 EL Rapsöl

400 g saure Sahne
Salz & Pfeffer

10 rote Zwiebeln
300 g möglichst magerer Speck (Gewicht inkl. Schwarte)
1 Bund Schnittlauch


Zubereitung
Aus Mehl, Salz, Wasser und Öl einen glatten Teig kneten und abgedeckt beiseite stellen. Den Backofen auf maximaler Stufe bei Unterhitze vorheizen, das Backblech direkt auf den Boden legen.

In der Zwischenzeit die Zwiebeln schälen und in sehr dünne Scheiben hobeln. Die Schwarte des Specks entfernen und den Speck ebenfalls in dünne Streifen schneiden. Die saure Sahne mit Salz und Pfeffer würzen und glatt rühren. Den Schnittlauch in Röllchen schneiden.

Den Teig in 10 Portionen à ca. 80 g teilen, rund wirken und abgedeckt beiseite legen und den Teig etwas entspannen lassen, er lässt sich dann leichter ausrollen. Jeden Teigling sehr dünn ausrollen und auf einen Streifen Backpapier legen. 2 EL saure Sahne darauf geben, verteilen und mit roten Zwiebeln belegen. Speckstreifen darüber verteilen und mit etwas grob gemahlenem Peffer bestreuen.

Im vorgeheizten Backofen ca. 2 Minuten backen, dann das Backpapier unter dem Flammkuchen herausziehen und den Flammkuchen noch 2-3 Minuten weiterbacken bis er knusprig ist und der Teig schöne Blasen geworfen hat.
Rausnehmen, mit Schnittlauchröllchen bestreuen, zerteilen und sofort essen. 

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Kommentare:

Eva (Deichrunner's Küche) hat gesagt…

Ja!!
So kenne ich Flammkuchen aus dem Elsaß!
Und ja: original ist er ohne Hefe!

Gourmande hat gesagt…

Mjamm, ich LIEBE Flammkuchen, das ist echt was Gutes!
Wenn ich Flammkuchen bei mir mache, dann mache ich den Teig auch ohne Hefe, im Steinofen meiner Eltern hingegen machen wir den Teig mit Hefe. ;-)
Richtig lecker finde ich übrigens die Variante mit Kartoffeln als Belag- einfach eine Pellkartoffel vom Vortag in dünne Scheiben schneiden und auf den Flammkuchen legen. (Mit Saurer Sahne, Lauch/Zwiebeln und Käse.) Bei uns heißt das dann aber nicht mehr Flammkuchen, sondern "Dünnede". :)

Heike hat gesagt…

So mach ich den Flammkuchen auch ohne Hefe.Aber das mit dem Backpapier dann wegziehen kannte ich noch nicht. Danke für den Tipp.
LG Heike

Anonym hat gesagt…

Ich back den Teig 2 Minuten ohne Belag vor, hol ihn raus und mache mit Schmand, Speck und Zwiebeln weiter.
So kann man ein paar Fladen schon mal vorbacken, wenn der Backofen für leckeren Flammkuchen einfach zu klein ist.

(Isa) Bella hat gesagt…

Ich hab mir bis jetzt immer nur ein klitzekleines Stück Speck beim Fleischer geholt und es dann gleich verbraucht, aber das mit dem aufhängen interessiert mich sehr: also du hängst den Speck einfach offen hin? Und wie lange meinst du kann ich ihn uuuungeffaehr hängen lassen?
Danke und vg bella

Steph hat gesagt…

Jupp, ich steche ein Loch durch eine Ecke, ziehe da einen dicken Faden, bzw. Rouladenband durch und hänge den Speck oben ans Regal. Wenn er dort luftig hängt, also nicht zwischen anderen Dingen eingequetscht ist, kann da nix passieren.
Mit der Zeit tritt Salz aus, d.h. es bilden sich kleine Kristalle auf der Oberfläche und der Speck trocknet immer weiter aus und wird fester - das ist aber auch schon alles, was da passiert.
Ich hatte schon mal ein Stück länger als ein halbes Jahr hängen, das musste ich dann zwar mit nem Hackebeil zerteilen, war aber sehr aromatisch ;o)

Steph hat gesagt…

Ah, noch vergessen... Der Speck kann natürlich auch n büschen tropfen, weil er weiter austrocknet und das Fett austritt. Wenn das der Fall ist. einfach irgendwas unterstellen. Ich klemme dann immer einen Gefrierbeutel zwischen Regal und Speck, natürlich nur ganz unten, damit der Speck weiterhin luftig hängt.

Wolke-Sieben hat gesagt…

Der schaut vielleicht lecker aus - mit roten Zwiebeln ist er noch viel appetitlicher als mit weißen.
Ich bin zwar von der Hefeteigfraktion, aber nächstens werde ich ihn nach deinem Rezept versuchen.
Gruß Doris

(Isa) Bella hat gesagt…

Danke Steph, das probier ich demnächst mal aus...wenn ich mal wieder ein richtig tolles Stück bekomme!!!

MK hat gesagt…

Sieht wahnsinnig lecker aus...

 

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