Ihr habt sicher auch ganz große Träume, die Ihr schon ein halbes Leben mit Euch rumtragt, von denen Ihr aber nicht wirklich glaubt, dass sie jemals in Erfüllung gehen, oder? Ich hatte so einen, bis Samstag, da isser nämlich doch wahr geworden.
Ein Grund, weshalb wir gerade diesen Park so gern mögen, sind unter Anderem Naaja, Noran und Nanuk, die drei weißen kanadischen Wölfe.
Wölfe
faszinieren mich schon mein ganzes Leben, ich konnte noch nie
verstehen, warum gerade diese anmutigen und intelligenten Tiere zu
solchen furchterregenden Bestien hochstilisiert werden und die große Panik
ausbricht, wenn irgendwo in der norddeutschen Pampa ein einsamer Wolf
gesichtet wird, den wahrscheinlich niemals ein Normalsterblicher zu
Gesicht bekommt, weil er viel zu scheu ist.
Als
wir vor einigen Wochen mal wieder einen Ausflug in den Wildpark
Lüneburger Heide gemacht haben und irgendwann natürlich auch am
Wolfsgehege landeten, glaubte ich im ersten Moment meinen Augen nicht zu
trauen. Da war eine Besuchergruppe im Wolfsgehege und Naaja, Noran und
Nanuk liefen fröhlich zwischen den Leuten hin und her, holten sich
Leckerlies ab, sabberten alle der Reihe nach von oben bis unten ab und
verschwanden dann wieder in den hinteren Gefilden des Geheges! Gibt's
denn sowas?
Natürlich waren die Besucher nicht allein dort, sondern in Begleitung, bzw. unter der Führung von Tanja Askani, der dortigen Wolfsexpertin, die einige von Euch vielleicht bereits aus dem Fernsehen kennen.
Am
liebsten hätte ich mich natürlich sofort unter diese Gruppe gemischt,
aber das ging selbstverständlich nicht - die waren ja schon drin, im
Gehege. Also war das erste, was ich gemacht hab, als wir wieder zuhause
waren, Laptop hochfahren, Wildpark googlen und schauen, warum die da rein durften und ich nicht.
Riesengroße Begeisterung war natürlich angesagt, als ich gesehen hab, dass Frau Askani diese Führungen tatsächlich regelmäßig durchführt und so war die Buchungsmail in Nullkommanix weggeschickt.
Letzten Samstag war es nun soweit. Gegen Mittag haben wir uns, bestens vorbereitet, auf den Weg zu unserem großen Abenteuer gemacht.
Als Erstes gab es eine Einweisung mit einer ganzen Reihe Verhaltensregeln an die Hand - logisch, die drei sind schließlich keine Kuscheltiere, auch wenn sie so aussehen, dann wurden unsere Jackentaschen mit Leckerlies gefüllt und schließlich ging's in den Vorraum des Geheges und die Tür zum eigentlichen Wolfsgehege wurde geöffnet.
Neugierig wie Wölfe sind, waren die drei sofort bei uns, haben alles, was nicht niet- und nagelfest war gründlich untersucht, abgeschlabbert und sich, zurückhaltend und bescheiden *hust... das ein oder andere Leckerli abgeholt.
Ganz wichtig bei diesen Führungen ist, dass alles, was geschieht komplett freiwillig passiert. Kein Wolf wird zu etwas gezwungen oder gedrängt, was er nicht will - andernfalls wären diese Führungen auch nicht möglich. Wenn die Wölfe Lust auf Menschenkontakt haben, kommen sie her, wenn nicht, dann nicht - so einfach ist das.
Wenn man sich vorstellt, dass Nanuk, der Chef des Rudels, sich in unsere unmittelbare Nähe gelegt und tiefenentspannt vor sich hingedöst hat - so ein Verhalten ist nur möglich, wenn die Tiere wirklich 100%iges Vertrauen haben und das haben sie eindeutig.
Nachdem
wir ca. 45 Minuten im Vorraum des Geheges saßen, Frau Askani mit Fragen
löchern und ersten Kontakt zu den Wölfen aufnehmen konnten, ging es im
zweiten Teil der Führung ins richtige Gehege, wo wir nochmal über eine Stunde mit den Wölfen verbrachten.
Im vorderen Teil des Geheges, direkt neben der Tür, ist für diesen Zweck der Boden mit Sprickel (keine Ahnung, wie man das auf Hochdeutsch nennt) ausgestreut. Wir haben es uns also erstmal gemütlich gemacht und den Wölfen wieder das Kommando überlassen, die uns erneut sehr gründlich von oben bis unten untersuchen mussten - irgendwo hätte ja noch ein Leckerli versteckt sein können ;o)
Das Wetter war glücklicherweise so gut, dass wir recht gemütlich auf dem Boden sitzen, viel Interessantes dazu lernen und dabei die Wölfe beobachten konnten. Ab und zu ist immer mal wieder einer der drei zu uns gekommen, hat uns abgeschnuppert, abgeschlabbert (da muss man durch, den Zungen entkommt niemand) und sich streicheln lassen. Noran hat sich irgendwann sogar auf meinen Schoß gesetzt - das muss man sich mal vorstellen, ich hatte nen ausgewachsenen Wolf aufm Schoß!
Naaja, die von Anfang an eine ausgeprägte Vorliebe für meinen Schal entwickelt hatte (Mädchen halt), bekam dann als Ersatz eine Knabberscheibe - nicht so spannend wie der Schal, aber viel leckerer.
Zum krönenden Abschluss hat Frau Askani dann noch Fotos von uns mit den Wölfen gemacht - das Zitat des Tages war hierbei sicher "und jetzt nochmal schön entspannt schauen". Leichter gesagt als getan, wenn drei Wölfe gleichzeitig versuchen, die Jackentaschen auszuräumen und sich partout nicht davon abbringen lassen wollen ;o)
Sicher ist die Haltung von Wildtieren in Zoos und Tierparks immer mit dem nötigen kritischen Blick zu bewerten, dessen ist sich auch Frau Askani sehr bewusst. Gerade bei Tieren wie dem Wolf, der in der Gesellschaft immer noch ein komplett falsches "Image" hat, finde ich es aber besonders wichtig, den Besuchern auf diese Weise zu vermitteln, dass es sich bei diesen Tieren nicht um die Bestien handelt, von denen in den Grimmschen Märchen und der Deppen- Bild-Zeitung immer wieder gerne die Rede ist.
Für uns war dieser Tag auf jeden Fall einer der wunderschönsten Tage überhaupt und das mit Abstand genialste, was ich jemals erlebt habe.
P.S.: Wundert Euch bitte nicht über die nicht so optimale Bildqualität, meine Kamera durfte ich natürlich nicht mit ins Gehege nehmen, die wäre zu interessant für die drei gewesen ;o) Also musste in unbeobachteten Momenten meine Schwatzbeere herhalten und die is erwiesenermaßen nicht so dolle wie meine Adele. Die Bilder der Fütterung sind die einzigen, die ich von außen geknipst hab, denn als die drei ihr Essen bekamen, waren wir natürlich nicht mehr drin ;O)
Und noch was vergessen ... Wenn Ihr jetzt Blut geleckt und gern noch mehr über die Wölfe und Frau Askani sehen würdet, dann schaut Euch unbedingt die Reportage Wolfskind Naaja und die wunderschönen Fotos von Frau Askani an.
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